Sozial? Kann man das Essen?

Eine Frage der Perspektive
 

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Blog-Start

Ich habe mich schon lange gefragt, ob ich mit meinen Eindrücken alleine da stehe. Schon früher, als ich in der Grundschule war, dachte ich immer nur daran, die Aufmerksamkeit der anderen zu bekommen. Doch von Schuljahr zu Schuljahr wurde mir deutlich bewusst, dass ich mich selbst dadurch ausgegrenzt habe. Ich fing an immer ruhiger zu werden und versuchte, das Handeln der Anderen zu verstehen.

6.Klasse: ,,Tim ist echt uncool, er hat ja noch nicht mal ein Handy", sagte Till zu einer Gruppe Mädchen, in Abwesenheit seines besten Freundes. Das war kurz bevor als Till mit Lisa zusammen kam, auf die ebenfalls Tim stand, was Till auch bewusst war, denn Tim hatte es ihm ja als ,,besten" Freund erzählt. Als Außenstehender ist es vielleicht amüsant solch eine Szene zu betrachten, aber ich habe mich schon damals gefragt: Wieso hat Till das gemacht? War er sich im klaren darüber, dass er seinen besten Freund verletzen würde?

Solch eine Konstellation sollte jedem bekannt sein. Doch warum handelt man absichtlich verletztend? Wieviele unterschiedliche Bedeutungen eines ,,Besten" Freunde gibt es?

Diese Art von Fragen, Alltagserfahrungen und Gedanken werde ich in diesem Blog niederschreiben. 

14.11.15 20:16, kommentieren

Der blutende Obdachtlose

Ich arbeite während dem Studium in einer Apotheke (dadurch bekomme ich mehr Tratsch mit als ein Besuch beim Friseur, nur so nebenbei). Vor etwa 2 Wochen kam ich mit einer Arbeitskollegin von einer Arztpraxis, die unmittelbar in der Nähe war. Plötzlich hörten wir einen Schrei und sahen einen Mann umkippen und ein Blutbach floss von seinem Kopf weg. Ich stand ein paar Sekunden wie versteinert, bevor ich zu ihm hingerannt bin. Er hatte einen epileptischen Anfall und schlug mit dem Kopf auf den Boden. Ich nahm eine Stofftasche, die mit Verbänden gefüllt war und ich legte sie unter seinen Kopf. Die Passanten machten einen großen Bogen, aber verpassten nicht die Chance noch ein paar Sekunden auf dem hilflosem Mann zu glotzen. Ja er war kein ,,normaler" Bürger, wie ihn andere bezeichnen würden. Er roch ziemlich nach Schweiß und hatte eine Alkoholfahne, weswegen ich selbst schlucken musste. Aber warum lässt man jemanden links liegen der Hilfe benötigt. Als ich mich neben ihn hockte überlegte ich erstmal: Wie war das damals im Erste-Hilfe-Kurs. Bei einem epileptischen Anfall erstmal abwarten und die Gefahren abfedern. Als der Anfall vorbei war, legte ich ihn erstmal in die stabile Seitenlage. Das Problem: Er atmete nicht mehr und die Blutlache, die von einer starken Platzwunde am Kopf kam, wurde immer größer. Ich rief, dass mir endlich jemand helfen sollte und viele gingen einfach weiter bis eine Frau kam, die sich dazu bereit erklärte, mir bei der ersten Hilfe zu helfen und den Krankenwagen anrief. Ich griff dem Mann in den Rachen; er besaß nicht mehr viele Zähne; und holte einen Klumpen Kotze und Blut raus, sodass er wieder atmen konnte. Zu guter letzt machte ich einen Druckverband um die Platzwunde, damit er nicht noch mehr Blut verliert. Als dann der Krankenwagen kam und ich blutverschmiert zur Arbeit zurück ging, fragte mich meine Arbeitskollegin: ,,Warum hast du ihn angefasst? Ich hätte mich das nicht getraut. Wer weiß was der alles für Krankheiten hat". Ich war sprachlos. Der Mann war schwer verletzt, scheiß egal das er obdachtlos ist und vielleicht ein Junkie ist. Er brauchte Hilfe. Und da realisierte ich, das meine Arbeitskollegin Egoismus und Eigenschutz über Solidarität und Menschlichkeit setzt. Und das traurige: Ich hab es einigen Freunden erzählt. Viele hätten genauso wie meine Arbeitskollegin gehandelt, weil der Eigenschutz wichtiger war, als das Leben des Obdachlosen. Die Frage, die ich mir stelle: Ist es falsch, heutzutage anscheinend ,, niederen" Menschen das Leben zu retten, weil das Risiko das Eigene zu verletzten ( aufgrund von Krankheiten, HIV usw.) zu groß ist?????

16.11.15 01:16, kommentieren